Schließe die Tür nicht vor dir selbst

Meine Wahrnehmung begann mit einer Aufforderung: „Geh in deinen inneren Kern.“ Ich ging nach innen und nahm meinen Kern als einen lichtvollen Ort wahr. Doch kurz darauf hörte ich: „Geh tiefer.“ Also ließ ich mich weiter in diese Tiefe führen. Dort wurde mir ein Bereich gezeigt, in dem vieles verborgen zu sein schien – Ängste, Gefühle, Emotionen und Anteile unseres eigenen Seins, die wir irgendwann tief in uns verschlossen oder vergraben haben. Manches vielleicht bewusst, vieles unbewusst.

Während ich dort war, entstand die Frage nach der Angst. Wovor haben wir eigentlich Angst? Und ich nahm wahr, dass es manchmal vielleicht gar nicht nur die Angst selbst ist, vor der wir uns fürchten, sondern auch die Begegnung mit Teilen von uns, die wir lange nicht mehr sehen wollten.

Dann veränderte sich meine Wahrnehmung. Ich hörte viele Stimmen. Manche schienen ganz nah zu sein, andere weit entfernt. Es war, als würde ich unterschiedliche Frequenzen gleichzeitig wahrnehmen. Zunächst konnte ich kaum verstehen, was sie sagten, doch nach und nach hörte ich einzelne Sätze: „Lass mich nicht allein.“ „Hilf mir.“ „Lass mich hier raus.“ „Tu nicht so, als ob du mich nicht siehst.“ „Du ignorierst mich immer wieder.“ „Hör auf damit, es tut mir nicht gut.“ „Ich möchte das nicht mehr.“ Und irgendwo hörte ich: „Es tut so weh.“

Mitten in dieser Wahrnehmung hörte ich einen weiteren Satz: „Hol den Anker hoch, der tief in dir sitzt.“ Für einen Moment wurde dieses Feld unglaublich weit. Ich nahm es fast wie ein Universum aus Gedanken, Stimmen und unterschiedlichen Frequenzen wahr. Es fühlte sich an, als würde diese Gedankenwelt weit über mich hinausreichen. Deshalb grenzte ich mich ganz bewusst ab und richtete meine Wahrnehmung ausschließlich auf mich: „Ich nehme nur meine Energien wahr. Keine Energien von außerhalb. Ich bleibe in meinem Feld.“

Dann sah ich eine Tür. Kurz darauf wurde mir ein sehr starkes Bild gezeigt. Ich sah etwas, das mich an einen Friedhof mit vielen Gräbern erinnerte. Zunächst verstand ich nicht, warum ich das sah. Dann hörte ich sinngemäß: „Das seid ihr. Ihr vergrabt eure Gefühle, eure Emotionen, eure Anteile, ein Stück von eurem Sein.“ Und schließlich kam der Satz: „Ein Stück von euch ist gestorben.“

Ich verstand diesen Satz nicht als wirklichen Tod. Durch das Bild der Gräber wurde mir vielmehr gezeigt, wie wir Teile von uns selbst regelrecht begraben können. Sie gehören noch zu uns, aber wir leben sie nicht mehr. Ich sah außerdem einen Menschen mit einer Schaufel, der begann, etwas auszugraben. Und während ich dieses Bild betrachtete, entstand in mir eine Frage: Wie können wir uns als Ganzes erfahren, wenn wir Teile von uns selbst vergraben haben?

Gleichzeitig hielt ich bei diesem Gedanken inne. Denn nicht alles, was wir in uns verschließen, wird ohne Grund verborgen. Manche Dinge werden bewusst oder unbewusst weggeschoben, weil etwas in uns versucht, uns zu schützen. Auch diese schützenden Anteile und Mechanismen haben ihre Aufgabe übernommen.

Ich fragte deshalb weiter: „Wann heilen wir? Wann hört das alles auf?“ Daraufhin nahm ich die Information wahr: „Heilung ist ein Prozess.“ Doch mir wurde nicht gezeigt, dass wir dafür in alte Schmerzen zurückgehen oder Vergangenes noch einmal durchleben müssen. Die Wahrnehmung führte mich in eine ganz andere Richtung.

Plötzlich sah ich mich auf einem offenen Feld stehen. Ich stand genau in der Mitte, und rings um mich herum waren meine eigenen Türen. Sie waren bereits geöffnet. Ich musste keine einzige davon öffnen. Ich musste durch keine dieser Türen gehen, nichts suchen und nichts hervorholen. Ich blieb einfach in der Mitte stehen.

Von dort aus rief ich die Anteile zu mir, die zu mir gehören. Liebevoll, achtsam und fürsorglich. Ich hatte nicht das Gefühl, irgendetwas erzwingen zu müssen. Es war vielmehr eine Einladung: „Hier bin ich. Was zu mir gehört und kommen möchte, darf zu mir kommen.“

Ich musste nicht wissen, welche Geschichte hinter einem Anteil lag. Ich musste keinen Schmerz noch einmal fühlen und nichts bewerten. Es ging in diesem Moment nur um Annahme. Ohne Scham. Ohne sich kleinzumachen. Ohne etwas von sich selbst wegzuschieben. Und gleichzeitig war da Dankbarkeit für das, was mich einmal geschützt hatte. Für die schützenden Anteile und Mechanismen, die vielleicht dafür gesorgt hatten, dass bestimmte Dinge verborgen bleiben konnten, solange dieser Schutz gebraucht wurde.

Während ich dort inmitten der geöffneten Türen stand, nahm ich wahr, wie das, was zu mir gehörte, wie Energie in meinen Solarplexus hineinging. Dafür wurde mir ein sehr alltägliches Bild gezeigt. Es erinnerte mich an einen Filter, fast wie bei einem Staubsauger: Etwas wurde darin bewegt, verarbeitet, gereinigt und sortiert. Was nicht mehr gebraucht wurde, durfte gehen. Und das, was zu mir gehörte, ging weiter, tiefer in mich hinein – bis in mein Herz.

Dort hatte ich das Empfinden: Es ist angekommen. Nicht mehr irgendwo hinter einer verschlossenen Tür. Nicht mehr vergraben und nicht mehr wie etwas, das außerhalb von mir liegt. Es war in mir angekommen, in meinem lichtvollen Kern. Dann begann sich auch das Feld um mich herum zu verändern. Ich nahm es wie einen Kreis aus Licht wahr. Dieser Lichtkreis schloss sich und ging ebenfalls in mein Herz hinein. Dort nahm ich ein Feld der Heilung und der Liebe wahr, ein Feld der Reinheit, des Wissens und des Verstehens. Ich hörte: „Wir durchleben all das, um in die Reinheit zu kommen.“

Während sich die gesamte Wahrnehmung für mich immer mehr zusammenfügte, verstand ich auch die Bedeutung der Türen und der Gräber. Beides hatte mir auf unterschiedliche Weise etwas Ähnliches gezeigt: Was wir von uns verschließen oder vergraben, hört dadurch nicht auf, zu uns zu gehören.

Vielleicht geht es deshalb nicht immer darum, etwas wieder auszugraben oder einen alten Schmerz erneut zu durchleben. In dieser Wahrnehmung ging es für mich vielmehr darum, mich selbst nicht länger auszuschließen. Die Türen zu mir offen zu lassen und das, was zu mir gehört, liebevoll anzunehmen, wenn es bereit ist.

Denn wie können wir uns als Ganzes erfahren, wenn wir Teile von uns selbst ausschließen? Und noch einmal nahm ich die Information wahr: „Schließe diese Tür nicht vor dir selbst.“ Ganz zum Schluss hörte ich: „Vergesst nicht – nur ihr entscheidet.“

Fortunata – Übersetzerin der Seele

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